Image

Nah dran ist im Pokal nicht genug

 

Lübzer Pils Landespokal | 2. Runde
SG Dynamo Schwerin – Malchower SV 2:3 (1:2)

 

Es gibt Niederlagen, nach denen man anerkennen muss, dass der Gegner einfach besser war. Und es gibt Niederlagen, bei denen man sich anschließend vor allem über sich selbst ärgert. Das 2:3 gegen den Malchower SV gehört eher in die zweite Kategorie.

 

Mit dem letztjährigen Meister der Verbandsliga MV gastierte ein echter Gradmesser in der WOLF SYSTEM ARENA. Ein Gegner, der Fehler bestraft. Ein Gegner, gegen den man seine Möglichkeiten nutzen muss. Und ein Gegner, der einem ziemlich deutlich zeigt, was noch fehlt. Nach 90 Minuten stand deshalb nicht nur das Pokal-Aus. Sondern auch eine unbequeme Erkenntnis: Wer hohe Ansprüche an sich selbst stellt, darf sich bestimmte Dinge nicht jede Woche aufs Neue erlauben.

 

Fünf Minuten, zwei Elfmeter – und die erste verpasste Gelegenheit

 

Viel Zeit zum Abtasten gab es nicht. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als der Unparteiische nach einem Rempler im Schweriner Strafraum auf Strafstoß entschied. Eine etwas harte Entscheidung, die Malchow allerdings nicht weiter interessierte. Die Gäste verwandelten. 0:1 nach zwei Minuten. Die perfekte Antwort lag nur drei Minuten später bereit. Diesmal zeigte der Unparteiische auf der anderen Seite auf den Punkt. Die große Chance zum sofortigen Ausgleich. Wir ließen sie liegen. Und damit waren bereits nach fünf Minuten zwei Dinge zu sehen, die diesen Abend prägen sollten: Malchow nutzte seine Gelegenheit – Dynamo nicht.

 

Gut mitspielen reicht gegen solche Gegner nicht

 

In der Folge entwickelte sich eine offene Partie. Dynamo versteckte sich keineswegs. Unsere Mannschaft erspielte sich Möglichkeiten und zeigte, dass zwischen beiden Teams spielerisch keine Welten liegen. Das allein bringt im Pokal allerdings nichts. Denn während wir Möglichkeiten liegen ließen, zeigte Malchow, warum die Mannschaft in der vergangenen Saison an der Spitze der Verbandsliga stand. Die Gäste waren konsequenter. Mitte der ersten Hälfte folgte das 0:2. Wieder musste Dynamo einem Rückstand hinterherlaufen. Wieder hatten wir uns die Aufgabe durch eigene Unzulänglichkeiten schwerer gemacht, als es notwendig gewesen wäre. Immerhin stimmte die Reaktion. Noch vor der Pause gelang der wichtige Anschlusstreffer zum 1:2. Alles wieder offen.

 

Viel Druck. Zu wenig Ertrag.

 

Nach der Pause spielte zunächst fast nur Dynamo. Unsere Mannschaft kam mit Schwung aus der Kabine, drängte Malchow weit zurück und schnürte die Gäste phasenweise in deren Hälfte ein. Der Ausgleich war möglich. Eigentlich mehrfach. Doch irgendwann müssen aus Möglichkeiten eben Tore werden. Dass unsere Chancenverwertung ausbaufähig ist, begleitet uns nicht erst seit diesem Pokalabend. Es war während der Vorbereitung ein Thema, es war beim Pokalerfolg in Sievershagen ein Thema und selbst beim 3:1 in Bergen hätten wir das Spiel wesentlich früher entscheiden müssen. Gegen Malchow bekam diese fehlende Konsequenz erstmals eine richtig hohe Rechnung.

 

Wer vorne nicht trifft …

 

70 Minuten waren gespielt, als die Gäste nach langer Zeit wieder gefährlich vor unserem Tor auftauchten. Querlatte. Ein deutlicher Warnschuss. Zwei Minuten später folgte trotzdem der nächste Fehler. Unsere Abseitsfalle funktionierte nicht, Malchow nutzte den entstandenen Raum – und plötzlich stand es 1:3. Das ist genau der Unterschied, über den gesprochen werden muss. Dynamo hatte zuvor eine lange Druckphase benötigt, ohne daraus Kapital zu schlagen. Malchow bekam seine Gelegenheit. Und machte das Tor. So einfach kann Fußball manchmal sein. Und so brutal.

 

Moral ist wichtig. Aber sie ersetzt keine Konsequenz.

 

Was unserer Mannschaft auch diesmal nicht abzusprechen war, war der Wille. Dynamo gab sich trotz des erneuten Rückschlags nicht auf. Es ging weiter nach vorne, und kurz vor dem Ende gelang tatsächlich noch das 2:3. Noch einmal Hoffnung. Noch einmal der Versuch, dieses Spiel irgendwie in die Verlängerung zu retten. Doch diesmal kam die Reaktion zu spät. Abpfiff. Pokal-Aus in Runde zwei.

 

Was bleibt?

 

Diesmal sollten wir es uns nicht zu einfach machen. Ja, mit dem Malchower SV stand uns der letztjährige Meister der Verbandsliga gegenüber. Ja, unsere Mannschaft ist neu formiert. Ja, die spielerische Entwicklung ist erkennbar. Aber irgendwann dürfen diese Punkte nicht mehr als Erklärung für dieselben Fehler herhalten. Wir haben inzwischen acht Begegnungen einschließlich der Vorbereitung absolviert. In sieben davon haben wir mindestens ein Gegentor kassiert.Gegen Malchow waren es drei. Zu Hause. Wer Spiele gegen die besten Mannschaften dieser Liga gewinnen will, wird damit auf Dauer Probleme bekommen. Auf der anderen Seite des Platzes sieht es nicht wesentlich anders aus. Wir erspielen uns viele Chancen. Das ist positiv und spricht für die Art, wie diese Mannschaft Fußball spielen möchte. Aber Chancen allein gewinnen keine Spiele. Tore tun es.

 

Wenn wir unseren eigenen Anspruch ernst nehmen, muss die Konsequenz in beiden Strafräumen besser werden. Vorne müssen wir Spiele entscheiden, wenn wir die Möglichkeit dazu haben. Hinten müssen wir aufhören, dem Gegner Situationen anzubieten, die dieser eigentlich gar nicht selbst herausgespielt hat. Das klingt unbequem. Soll es auch. Denn dieses 2:3 war keine Niederlage, nach der man sagen muss: Mehr war einfach nicht möglich. Mehr war möglich. Und genau deshalb ärgert sie.

 

Am kommenden Samstag wartet mit dem 1. FC Neubrandenburg 04 bereits der nächste Gegner, gegen den Nachlässigkeiten teuer werden können. Dann geht es nicht darum, ob wir wieder ordentlich mitspielen. Es geht darum, aus den Dingen zu lernen, über die wir inzwischen nicht zum ersten Mal sprechen. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Fußball spielen kann. Jetzt muss sie zeigen, dass sie aus Fehlern lernen kann. ❤️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert