Freitagabendkrimi
Verbandsliga MV | 6. Spieltag
SG Dynamo Schwerin – FSV Bentwisch 4:3 (2:0)
Normalerweise laufen Krimis am Freitagabend im Fernsehen. Man macht es sich auf dem Sofa gemütlich, schaltet ein und wartet gespannt auf die Auflösung. Bei Dynamo geht das inzwischen auch live. Ganz ohne Drehbuch. Dafür mit sieben Toren, einem verschossenen Elfmeter und einer Schlussphase, die so wohl niemand bestellt hatte.
Wer am Freitagabend in der WOLF SYSTEM ARENA dabei war, bekam jedenfalls einiges geboten. Nach 53 Minuten führte unsere Erste gegen den FSV Bentwisch scheinbar sicher mit 4:0. Was danach folgte, dürfte bei so manchem Dynamo-Fan für erhöhten Puls gesorgt haben. Am Ende stand ein 4:3-Heimsieg. Drei Punkte gewonnen. Einige Nerven verloren.
Kapitel 1: Einwurf, Verwirrung, Kapitän. Tor!
Dabei begann dieser Fußballabend zunächst ziemlich unspektakulär. Beide Mannschaften versuchten, über Ballbesitz in die Partie zu finden. Vieles spielte sich zwischen den Strafräumen ab, klare Möglichkeiten blieben zunächst Mangelware. Stattdessen entwickelte sich eine umkämpfte Begegnung, die immer wieder durch kleinere Fouls und Unterbrechungen geprägt war. Bis zur 14. Minute. Ein Einwurf brachte den Ball in den Bentwischer Strafraum. Die Gäste bekamen die Situation nicht geklärt, es entstand Unordnung und mittendrin war unser Kapitän Marvin Runge. Der nutzte die Gelegenheit. 1:0 Dynamo! Kein Treffer für die Galerie, aber einer, der an diesem Abend den Anfang machte. In der Folge wurde die Partie offener. Beide Mannschaften kamen zu einzelnen Möglichkeiten, doch Dynamo zeigte sich zunächst als das konsequentere Team. In der 36. Minute trat Vladyslav Kraiev zu einem Freistoß an. Der Ball flog an Freund und Feind vorbei und landete im Tor. 2:0! Irgendwie kam einem diese Szene bekannt vor. Erst eine Woche zuvor hatte Elidjah Mody Mangwa in Bad Doberan mit einer Flanke, die niemand mehr berührte, für die Führung gesorgt. Offenbar haben wir gerade ein Faible für Bälle, die einfach durch den gesamten Strafraum fliegen. Dynamo hatte die Begegnung anschließend weitgehend im Griff und nahm die verdiente Zweitoreführung mit in die Kabine.
Kapitel 2: Fünf Minuten, zwei Tore. Läuft doch!
Wer dachte, Dynamo würde nach der Pause zunächst einmal die Führung verwalten, wurde schnell eines Besseren belehrt. Unsere Mannschaft kam mit richtig Schwung aus der Kabine. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, da erhöhte Yevhenii Bidenko auf 3:0. Und Dynamo hatte noch lange nicht genug. In der 53. Minute legte Joel Bilson nach. 4:0! Die WOLF SYSTEM ARENA durfte jubeln. Vier Tore Vorsprung, das Spiel unter Kontrolle und die Aussicht auf den dritten Sieg in Folge. Was sollte da noch passieren? Nun ja. Wir reden hier schließlich über Dynamo Schwerin in der Saison 2026/27.
Kapitel 3: Ein bitterer Moment und ein Spiel, das kippt
So erfreulich der Zwischenstand war, eine Szene trübte die Stimmung. Bei der Vorbereitung des vierten Treffers verletzte sich Yevhenii Bidenko, der bis dahin zu den auffälligsten Spielern unserer Mannschaft gehört hatte.Er musste ausgewechselt werden. Ein bitterer Moment, gerade weil Bidenko zuvor mit seinem Treffer und seiner Leistung einen wichtigen Anteil an der deutlichen Führung hatte. Doch Fußball geht weiter. Und Verletzungen gehören leider dazu. Für andere Spieler entstehen dadurch Möglichkeiten, sich zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Auf dem Platz veränderte sich allerdings zunehmend das Bild. Bentwisch gab sich trotz des deutlichen Rückstands keineswegs geschlagen. Die Gäste übernahmen immer mehr die Initiative und suchten konsequent den Weg nach vorne. In der 64. Minute fiel das 4:1 durch Lucas Steinicke. Bei drei Toren Vorsprung eigentlich noch kein Grund zur Panik. Eigentlich.
Kapitel 4: Aus einem sicheren Sieg wird ein Krimi
Bentwisch blieb dran. Die Gäste hatten nun mehr vom Spiel, erspielten sich Möglichkeiten und setzten unsere Defensive zunehmend unter Druck. Dynamo dagegen fand immer seltener die nötige Entlastung. Die zuvor vorhandene Sicherheit ging verloren. Wir kamen kaum noch dazu, eigene Angriffe sauber aufzubauen und den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten. In der 83. Minute verkürzte Nick Pergande auf 4:2. Plötzlich wurde es ungemütlich. Und nur fünf Minuten später traf Lucas Steinicke erneut. 4:3. Aus vier Toren Vorsprung war innerhalb einer halben Stunde ein einziger geworden. Und plötzlich ging es nicht mehr darum, wie hoch Dynamo dieses Spiel gewinnen würde. Plötzlich ging es darum, ob wir es überhaupt gewinnen. Bentwisch drängte weiter, Dynamo musste verteidigen und die letzten Kräfte mobilisieren. Dass ein solches Spiel nach einer 4:0-Führung überhaupt noch einmal derart spannend werden konnte, müssen wir uns selbst ankreiden.
Kapitel 5: Ein Elfmeter zum Deckel draufmachen. Eigentlich.
Kurz vor dem Ende bot sich dann die Gelegenheit, diesen verrückten Fußballabend endgültig zu entscheiden. Ein Dynamo-Spieler wurde im gegnerischen Strafraum gefoult. Elfmeter. 4:3 auf der Anzeigetafel. Die reguläre Spielzeit fast vorbei. Eigentlich der perfekte Moment, um den Deckel draufzumachen. Aber da war doch noch etwas. Dynamo und Elfmeter in dieser Saison. Eine Beziehung mit gewissen Schwierigkeiten. Auch diesmal fand der Strafstoß nicht den Weg ins Tor. Also weiter zittern. Immerhin gelang es unserer Mannschaft, die letzten Minuten ohne weiteren Gegentreffer zu überstehen. Dann endlich der Abpfiff. 4:3. Heimsieg. Drei Punkte. Durchatmen.
Kapitel 6: Wenn junge Spieler ihre ersten Erfahrungen sammeln
Ein Punkt gehört ebenfalls zu diesem Spiel. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Bidenko und die anschließenden Wechsel bekamen auch junge Spieler die Gelegenheit, sich im Herrenbereich zu beweisen. Dass unser Trainerteam ihnen dieses Vertrauen schenkt, ist ausdrücklich zu begrüßen. Aber der Schritt in den Herrenfußball ist groß. Was im Nachwuchs noch funktioniert, wird gegen erfahrene Gegenspieler schnell bestraft. Gerade in engen Situationen muss man lernen, wann ein Dribbling sinnvoll ist und wann der einfache Pass die bessere Lösung darstellt. Wenn mehrere Eins-gegen-eins-Situationen verloren gehen, gehört es zur Entwicklung, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Manchmal ist der nächste saubere Pass wertvoller als der Versuch, den Gegenspieler unbedingt selbst überwinden zu wollen.Das ist keine Kritik an der Entscheidung, jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben. Im Gegenteil. Wer junge Spieler entwickeln möchte, muss ihnen Spielzeit geben. Und auch Fehler zugestehen. Die Verantwortung für den Verlauf einer solchen zweiten Halbzeit trägt ohnehin die gesamte Mannschaft. Denn einen Vier-Tore-Vorsprung verteidigt man gemeinsam. Oder eben nicht.
Was bleibt?
Dynamo kann Krimi. Das wissen wir spätestens seit diesem Freitagabend. Aber ganz so spannend hätten wir es dann doch nicht gebraucht. Nach 53 Minuten mit 4:0 zu führen und anschließend noch um den Sieg zittern zu müssen, ist etwas, worüber wir sprechen müssen. Denn so etwas darf uns eigentlich nicht passieren. Nach einer überzeugenden ersten Halbzeit und einem starken Beginn des zweiten Durchgangs haben wir die Kontrolle über das Spiel verloren. Bentwisch hat diese Schwäche erkannt und eindrucksvoll gezeigt, dass man auch bei einem deutlichen Rückstand nicht aufgeben muss. Dafür gebührt den Gästen Respekt. Für uns bleibt die Erkenntnis, dass ein Spiel eben erst dann gewonnen ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift.
Und trotzdem wollen wir nach diesem Abend nicht vergessen, was ebenfalls zur Wahrheit gehört. Unsere Mannschaft hat gewonnen. Zum dritten Mal in Folge. Nach den deutlichen Niederlagen gegen Neubrandenburg und Warnemünde haben wir inzwischen neun Punkte aus drei Spielen geholt. Das ist eine Entwicklung, die Anerkennung verdient. Auch wenn wir uns den Weg zu diesen Punkten manchmal unnötig schwer machen. Und noch eine Zahl passt zu diesem verrückten Saisonstart: In den ersten sechs Ligaspielen mit Dynamo-Beteiligung sind bereits 34 Tore gefallen. Das sind durchschnittlich fast sechs Treffer pro Partie. Für neutrale Zuschauer sicherlich unterhaltsam. Für unsere Trainer und die Nerven unserer Fans dürfte es gerne etwas weniger aufregend sein. Vor allem, wenn die Tore auf der falschen Seite fallen. Aber genau darin liegt unsere nächste Aufgabe. Wir müssen lernen, Führungen konsequenter zu verwalten, ohne dabei unsere eigene Spielidee aufzugeben. Wir müssen auch nach Wechseln als Mannschaft kompakt bleiben und dürfen dem Gegner nicht unnötig Räume anbieten. Und wir müssen begreifen, dass vier Tore Vorsprung keine Einladung sind, die Konzentration herunterzufahren.
Am kommenden Freitag wartet mit dem Malchower SV der nächste schwere Gegner. Dort haben wir noch eine Rechnung offen. In der zweiten Runde des Landespokals mussten wir uns dem amtierenden Verbandsliga-Meister mit 2:3 geschlagen geben. Nun bietet sich die Gelegenheit zur sportlichen Revanche.
Bis dahin nehmen wir erst einmal die drei Punkte mit. Denn auch das gehört zur Wahrheit: Schön war nicht alles. Erfolgreich war es trotzdem. Und vielleicht noch eine kleine Bitte an unsere Mannschaft: Beim nächsten Mal darf es gerne etwas weniger Krimi sein.
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