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In Warnemünde baden gegangen

Verbandsliga MV | 3. Spieltag
SV Warnemünde – SG Dynamo Schwerin 6:1 (4:1)

 

Eigentlich sollte es die Antwort werden. Die Antwort auf sechs Gegentore gegen Neubrandenburg. Die Antwort auf eine Woche, in der viel darüber gesprochen wurde, was besser werden muss. 90 Minuten später müssen wir feststellen:

 

Die Antwort blieb aus.

 

Statt Wiedergutmachung setzte es beim SV Warnemünde die nächste deutliche Niederlage. 1:6. Vier Gegentore bereits vor der Pause. Und diesmal gibt es wenig, woran man sich festhalten könnte. Denn Warnemünde war uns an diesem Nachmittag nicht nur beim Toreschießen überlegen. Die Gastgeber waren laufstärker. Zweikampfstärker. Zielstrebiger. Kurz gesagt:  Warnemünde war in den Grundtugenden des Fußballs die bessere Mannschaft. Deutlich.

 

Kapitel 1: Schon wieder vier Minuten

Wir haben inzwischen häufig genug über frühe Gegentore geschrieben. Eigentlich zu häufig. Trotzdem müssen wir es wieder tun. 4. Minute. 0:1. Wieder war ein Spiel kaum richtig eröffnet, da liefen wir bereits einem Rückstand hinterher. Nach dem 2:6 gegen Neubrandenburg hatte sich die Mannschaft viel vorgenommen. Doch von der erhofften Sicherheit war zunächst wenig zu sehen. Dabei bot sich sogar die große Gelegenheit auf die schnelle Antwort. Strafstoß für Dynamo. Doch auch diese Chance ließen wir liegen. Wieder ein Elfmeter. Wieder kein Tor. Und statt das Spiel fast auf Anfang zu stellen, blieb der Rückstand bestehen.

 

Kapitel 2: Ein Mittelfeld, das keines war

Das vielleicht größte Problem dieses Nachmittags lag allerdings nicht in einer einzelnen Szene. Es lag zwischen den Strafräumen. Dynamo bekam über weite Strecken keinen Zugriff im Mittelfeld.  Die Abstände zwischen unseren Mannschaftsteilen waren viel zu groß. Warnemünde fand immer wieder Räume, konnte Tempo aufnehmen und unsere Defensive anlaufen. Wir reagierten. Warnemünde agierte. Und genau darin lag ein gewaltiger Unterschied. Die Gastgeber mussten teilweise nicht einmal komplizierte Lösungen finden. Räume waren vorhanden, Anspielstationen ebenfalls – und Warnemünde nutzte beides konsequent. Genau jene Kompaktheit, über die wir nach dem Neubrandenburg-Spiel gesprochen hatten, fehlte erneut.

 

Kapitel 3: Zwei Handspiele und ein Spiel, das uns entgleitet

Dass an einem solchen Nachmittag dann auch noch vermeidbare Situationen hinzukommen, passte ins Bild. Zweimal gingen wir im eigenen Strafraum bei Handspielen äußerst ungeschickt zu Werke. Zweimal Strafstoß für Warnemünde. Und anders als wir nutzten die Gastgeber ihre Möglichkeiten. Das Ergebnis wurde immer deutlicher. Dynamo fand weder defensiv die notwendige Stabilität noch offensiv die Mittel, um Warnemünde ernsthaft unter Druck zu setzen. Zur Pause stand es 1:4. Und diesmal wäre es falsch gewesen zu behaupten, dieses Ergebnis hätte den Spielverlauf völlig auf den Kopf gestellt. Wir waren damit noch gut bedient.

 

Kapitel 4: Bemühen allein reicht nicht

Nach der Pause muss man der Mannschaft zugutehalten, dass sie dieses Spiel nicht einfach abschenkte. Sie versuchte es. Es wurde investiert. Dynamo wollte nach vorne spielen und zumindest noch einmal etwas verändern. Aber genau hier liegt momentan eines unserer größten Probleme: Wir wollen viel – und machen daraus zu wenig. Das Passspiel war zu ungenau, mit wenig Geschwindigkeit und auf den Ball wartend, statt den Ball abzuholen. Im letzten Drittel fehlte die Durchschlagskraft. Selbst wenn sich Möglichkeiten ergaben, wurden sie nicht konsequent genug genutzt. Viel Aufwand. Wenig Gefahr. Warnemünde dagegen benötigte deutlich weniger. Ein weiterer Ballverlust wurde bestraft, die Gastgeber blieben konsequent und schraubten das Ergebnis schließlich auf 6:1. Dann war Schluss. Zum Glück.

 

Was bleibt?

Vor einer Woche endete unser Spielbericht mit den Worten:„Wir brauchen eine Reaktion. Nicht in Worten. Auf dem Platz.“ Diese Reaktion haben wir nicht bekommen. Und deshalb wäre es unglaubwürdig, jetzt wieder dieselben Dinge aufzuzählen und anschließend zu schreiben, dass die Mannschaft daraus lernen wird. Das muss sie jetzt erst einmal zeigen.

 

Nach dem 2:3 gegen Malchow haben wir über fehlende Konsequenz gesprochen.

Nach dem 2:6 gegen Neubrandenburg über den Verlust der Ordnung.

Nach dem 1:6 in Warnemünde reden wir inzwischen über 14 Gegentore in drei Spielen.

 

Irgendwann sind das keine einzelnen schlechten Situationen mehr. Dann ist es ein Problem. Noch schwerer wiegt allerdings, wie dieses 1:6 zustande kam. Über taktische Fehler kann man sprechen. Über Abstände zwischen den Ketten ebenfalls. Über vergebene Chancen, verschossene Elfmeter und ungenaue Pässe sowieso. Aber bevor wir über all diese Dinge sprechen, müssen die Grundlagen stimmen.

 

Laufbereitschaft.

Zweikampfführung.

Konzentration.

Entschlossenheit.

 

Warnemünde hat uns an diesem Nachmittag gezeigt, wie viel diese Dinge wert sind. Und wir müssen anerkennen: In diesen Bereichen waren sie uns überlegen. Deutlich. Nach den vergangenen Wochen brauchen wir deshalb momentan nicht über Tabellenregionen oder irgendwelche Saisonziele zu sprechen. Wer zweimal hintereinander sechs Gegentore kassiert, hat andere Aufgaben. Wir müssen wieder kompakt als Mannschaft verteidigen. Wir müssen füreinander Fehler auffangen. Wir müssen im Mittelfeld Zugriff bekommen. Und wenn wir vor dem gegnerischen Tor auftauchen, müssen wir endlich zielstrebiger werden. Vor allem aber müssen Anspruch und das, was auf dem Platz zu sehen ist, wieder näher zusammenrücken. Denn aktuell klafft da eine Lücke. Eine ziemlich große. Und jetzt kommt ausgerechnet das Derby gegen den MSV Pampow. Vielleicht braucht es vor diesem Spiel gar keine großen Worte. Nach einem 1:6 wären sie ohnehin wenig wert. Die Antwort kann diesmal wirklich nur auf dem Platz gegeben werden.

 

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